Produktion nach drei Quartalen 15,7 Prozent unter Vorjahr

Im dritten Quartal 2020 haben die Stahl und Metall verarbeitenden Betriebe in Deutschland ihre Produktion um gut 20 Prozent gegenüber dem Vorquartal gesteigert. Mit dieser schnellen Erholung liegt die Produktion im Vorjahresvergleich noch 10,6% unter dem dritten Quartal und 15,7% unter den ersten neun Monaten des Jahres 2019. In den letzten drei Monaten des Jahres 2020 dürfte der Rückstand auf das Vorjahr – trotz der erneuten Einschränkungen des öffentlichen Lebens im November – weiter verkürzt werden können, sodass der erwartete Korridor von -12 bis -15% für das Gesamtjahr erreicht werden wird.

Die Exporte waren im zweiten Quartal stärker rückläufig als die Inlandslieferungen, sie haben sich jedoch im dritten Quartal mit einem Zuwachs von 23,2% auch deutlich stärker erholt als der Absatz in Deutschland, der gegenüber dem Vorquartal um 19,4% gestiegen ist. Im bisherigen Jahresverlauf liegen die Rückgänge der inländischen (–17,4%) und ausländischen (–17,9%) Lieferungen somit auf demselben Niveau. Die aktuelle Entwicklung des Corona-Infektionsgeschehens in Europa könnte jedoch die weitere Erholung der Exporte gefährden.

In den Bestellungen aus dem Ausland kann dieses Risiko bis September noch nicht erkennbar sein. Im dritten Quartal legten diese um 45% gegenüber dem Vorquartal zu, die Inlandsbestellungen um 35,4%. Im September lagen die Auftragseingänge insgesamt wieder über dem Vorjahresniveau, und zwar um 5,8%, wobei die inländischen Kunden mit +9% deutlich mehr Dynamik entwickelten als die Kunden außerhalb Deutschlands, die 0,6% mehr bestellt haben als im September 2019.

Vermutlich hat sich die erfreuliche Auftragsentwicklung in den Oktober fortgesetzt, darauf deutet jedenfalls das Geschäftsklima in den Stahl und Metall verarbeitenden Unternehmen hin, das erstmals seit Anfang 2019 wieder im positiven Bereich liegt. Die Fortsetzung der Stimmungsaufhellung in den WSM-Branchen geht auf die um 16,1 Saldenpunkte verbesserte Einschätzung der Geschäftslage zurück. Die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate wurden dagegen um 1,3 Punkte zurückgenommen.

Die Unternehmen waren durch die abrupten Störungen in den insbesondere automobilen Wertschöpfungsketten gezwungen, ihre Personalkapazitäten anzupassen. Die Zahl der Mitarbeiter wurde zwischen März und August 2020 um knapp 3% reduziert, wobei die flexible temporäre Beschäftigung darin nicht berücksichtigt ist. Aber auch das von der Bundesregierung optimierte Instrument der Kurzarbeit wurde deutlich in Anspruch genommen, die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden ging im Branchendurchschnitt um 19% zurück.

Die wieder verbesserte Kapazitätsauslastung im Oktober muss daher mindestens ein Stück weit auch vor dem Hintergrund interpretiert werden, dass die Kapazitäten reduziert worden sind.

Dass die Branche das normale Auslastungsniveau im Laufe des nächsten Jahres wieder erreichen könnte, beruhigt daher allenfalls kurzfristig, denn mittel- bis langfristig werden der Strukturwandel in der Automobilindustrie, die Digitalisierung der Industrie und der Klimawandel erhebliche Auswirkungen auf viele Unternehmen und Prozesse der Branche haben. Hinzu kommen unsichere Entwicklungen der internationalen Handelsbeziehungen. Zwar scheint eine Last-Minute-Einigung der EU mit den Briten zu gelingen und der Ausgang der Wahlen in den USA beruhigt ebenfalls, langfristig ist allerdings keineswegs ausgemacht, wie sich die Verhältnisse zwischen den handelspolitischen Machtzentren weiter entwickeln werden.

Umso wichtiger ist die Weiterentwicklung einer ausgewogenen europäischen und nationalen Industriestrategie, die neben den Interessen der globalen Champions auch die Risiken und Herausforderungen für die mittelständisch geprägten Wertschöpfungsketten adressiert.

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