Produktion im ersten Quartal 2019 um 2,5% unter Vorjahr

 

Die Produktion der Stahl und Metall verarbeitenden Betriebe in Deutschland verfehlt im Auftaktquartal 2019 das Vorjahresniveau um 2,5 Prozent. Bereits im zweiten Halbjahr 2018 hatte ein Abwärtstrend eingesetzt, der sich in das Jahr 2019 fortsetzt. Gegenüber dem Schlussquartal 2018 liegt die Produktion im ersten Quartal 2019 um 0,9% niedriger. Dagegen verläuft die Entwicklung der preisbereinigten Umsätze etwas positiver, jedenfalls sind die Lieferungen gegenüber dem Vorquartal um 3,7% gestiegen. Die Inlandslieferungen legen im ersten Quartal 2019 gegenüber dem vierten Quartal 2018 um 4,2% zu, die Exporte um 2,5%. Vergleicht man die Entwicklung jedoch mit dem ersten Quartal des Vorjahres, fallen die Wachstumsraten der Umsätze ebenfalls negativ aus. Insgesamt gehen die Umsätze im ersten Quartal 2019 um 2,3% gegenüber dem Vorjahr zurück, die inländischen Lieferungen um 3%, die Lieferungen an ausländische Abnehmer um 1%. 

Angesichts des Rückgangs der inländischen Fahrzeugproduktion um 11% im ersten Quartal 2019 ist die Vergleichszahl der Stahl- und Metallverarbeitung von minus 3% Umsatz mit inländischen Kunden ein Indiz dafür, dass die Branche weit weniger von der Entwicklung der inländischen Produktion der Fahrzeugindustrie abhängig ist als von deren ausländischen Produktionsstandorten und von den zahlreichen Kunden anderer Branchen im In- und Ausland. Ein großer Teil der Produkte geht über die System- und Komponentenhersteller indirekt in den Export, als in den Systemen und Komponenten verbaute Einzelteile, die in der Exportstatistik der Stahl- und Metallverarbeitung nicht auftauchen. 

Eine Verbesserung der konjunkturellen Entwicklung im weiteren Jahresverlauf hängt maßgeblich von politischen Entscheidungen ab. Im Inland führt die Diskussion um Fahrverbote für Diesel-Pkw in Städten und die offene Frage nach den Antriebskonzepten der Zukunft zu Kaufzurückhaltung der Kunden, wenngleich die Neuzulassungen im ersten Quartal 2019 auf dem Niveau des Vorjahres liegen. Im Ausland bestimmt neben schwelenden geopolitischen Risiken insbesondere die Handelspolitik der USA die Agenda. Die laufenden Verhandlungen zwischen den USA und China kommen immer wieder ins Stocken und die Gespräche zwischen den USA und der EU haben noch gar nicht richtig begonnen, da die EU erst im April – 9 Monate nach dem Ankommen zwischen den Präsidenten Trump und Juncker – ein Verhandlungsmandat beschlossen haben. Hinzu kommen Verunsicherungen aus dem erneut verschobenen Brexit und aus dem neuen nordamerikanischen Handelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko (USMCA).

Aus der Entwicklung des Geschäftsklimas der Stahl und Metall verarbeitenden Betriebe im April lässt ein Blick durch die optimistische Brille positive Signale erkennen. Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage geht zwar nochmals um 4,5 Saldenpunkte zurück, positiv gewendet könnte man jedoch feststellen, dass sich die Geschwindigkeit der Korrektur damit fast halbiert hat. Die Geschäftserwartungen für die nächsten 6 Monate legen sogar um 1,9 Saldenpunkte zu, das ist das erste Wachstum dieses Indikators seit August 2018, damals eine unmittelbare Folge des Trump-Juncker-Gipfels, auf dem die Präsidenten einen handelspolitischen Waffenstillstand und die Aufnahme von Verhandlungen vereinbart hatten. Präsident Trump hat zudem am 17. Mai verkündet, die angedrohten Importzölle auf Fahrzeuge und -teile aus der EU um bis zu 180 Tage aufzuschieben. Ob diese positive Entwicklung bereits Einfluss auf die Ergebnisse des aktuellen ifo-Geschäftsklimas haben wird, bleibt abzuwarten. Es gibt jedoch weitere für die Konjunktur günstige Entwicklungen. Insbesondere hat die chinesische Regierung Maßnahmen ergriffen, um die schwächelnde Wirtschaftsentwicklung im Land zu stützen. So wurde die Mehrwertsteuer für Unternehmen ab 1. April 2019 abgesenkt. Daher besteht Hoffnung, dass die konjunkturelle Stimmung in der deutschen Stahl- und Metallverarbeitung sich in den kommenden Monaten wieder aufhellen könnte.Die Entwicklung der Auftragseingänge im ersten Quartal dürfte die Stimmung dagegen eher trüben. Der Rückgang um 9% im März führt zu einem Minus von 8,1% im ersten Quartal 2019 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dabei haben die inländischen Kunden zuletzt deutlich weniger bestellt, Minus 12,4% im März und Minus 9,1% im ersten Quartal. Dennoch ist das Niveau gegenüber dem Vorquartal insgesamt um 3,7% gestiegen. Die Automobilindustrie meldet für das erste Quartal einerseits einen Anstieg der inländischen Aufträge um 7%, andererseits jedoch einen Rückgang der Exportnachfrage um 8%.

Insgesamt sind die konjunkturellen Signale und Daten heterogen und passen somit zu der anhaltenden politischen Unsicherheit. Man könnte die Situation auf den Nenner bringen: Die Politik stört die Konjunktur. Die Politik des amerikanischen Präsidenten wäre demnach erfolgreich, zumindest scheinen die verschiedenen Drohungen und Sanktionen zu wirken. Es darf jedoch bezweifelt werden, dass die Strategie auch langfristig Erfolg verspricht.  Für die Entwicklung der Stahl- und Metallverarbeitung bleibt festzustellen, dass die aktuelle Eintrübung der Konjunktur voraussichtlich vorübergehender Natur sein dürfte und jedenfalls kein Krisenszenario erkennbar ist. Ob die Produktionsprognose von plus 2% erreicht werden kann, liegt nicht allein in der Hand der Branche.