WSM-Industrie
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Dezember 2008

Produktion im Jahr 2008 knapp auf Vorjahresniveau

Die Stahl- und Metallverarbeiter in Deutschland haben ihre Produktion im Jahr 2008 trotz der zunehmend schwierigeren Rahmenbedingungen nahezu auf dem hohen Niveau des Vorjahres gehalten. Im Jahresverlauf wurde allerdings eine zunehmende Abschwächung der konjunkturellen Entwicklung spürbar, die sich im letzten Quartal, insbesondere ab November zu einem dramatischen Einbruch entwickelt hat. Seit Juli 2008 hatten sich bereits die Auslandsgeschäfte im Vorjahresvergleich rückläufig entwickelt, ab September griff diese Tendenz auch auf die inländischen Lieferungen über. Konnte im dritten Quartal das hohe Vorjahresniveau noch erreicht werden, verfehlten die realen Umsätze im letzten Quartal den Vorjahreswert um 13,9 Prozent (Inland –11,2%, Ausland –19,6%). Auf Jahressicht ist die Liefermenge dadurch insgesamt um 0,9 Prozent zurückgegangen (Inland +0,1%, Ausland –3,1%). Der nominale Umsatz ist dagegen auch im Jahr 2008 nochmals um 1,9 Prozent angestiegen (Inland +3,2%, Ausland –1,0%).

Die Produktion entwickelte sich über die WSM-Gruppen (industrielle Zulieferung, konsum- und baunahe Produkte sowie industrielle Dienstleistungen) nahezu identisch. Unterschiede werden dagegen erkennbar, wenn man die einzelnen Branchen betrachtet. Industriezweige, die eher langfristige Projekte bearbeiten, profitieren bis zum Jahresende und vermutlich auch darüber hinaus von den Auftragsbeständen aus der Aufschwungphase. Im kurzfristigen Projektgeschäft ist die Produktion im Dezember allerdings zum Teil bis zu knapp 50 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurückgegangen. Insgesamt haben die Monate November und Dezember ein erneut deutlich positives Jahresergebnis bei der Produktion verhindert. Mit Rückgängen von 17,3 bzw. 18,3 Prozent wurde die robuste Entwicklung der ersten Jahreshälfte kompensiert.

Während die Produktionsrückgänge im Jahr 2008 noch moderat ausgefallen sind, zeigen die Auftragseingänge erhebliche Bremsspuren. Im Dezember waren die negativen Wachstumsraten in allen Branchen deutlich zweistellig, bis hin zu 70 Prozent vergleichen mit dem Dezember 2007. Auf Jahressicht haben die WSM-Unternehmen 8,4 Prozent weniger Aufträge erhalten als im Vorjahr 2007 (Inland –8,1%, Ausland –9,2%). Am stärksten betroffen sind davon die industriellen Zulieferer, die einen Rückgang von 12,9 Prozent verzeichnen (Inland –15,3%, Ausland –11,6%). Allein im 4. Quartal gaben deren Bestelleingänge um 41,1 Prozent nach (Inland –48,7%, Ausland –32,8%). Die sehr kurzfristigen Auftragsstreichungen, insbesondere der Automobilhersteller, treffen die Betriebe überraschend und ohne Vorwarnung. Noch heute passen die OEM´s ihre Planungen nicht an die Realität an oder kommunizieren ihre Erwartungen nicht ausreichend und rechtzeitig an die Zulieferer.

Die unzureichenden Planungsgrundlagen verschärfen die Liquiditätsengpässe der Zulieferbetriebe. Die Umsatzrückgänge können kurzfristig nicht vollständig durch Kostensenkungsmaßnahmen wir Kurzarbeit kompensiert werden. Hoch bewertete Vormaterialbestände müssen angesichts unter Druck stehender Stahl- und Schrottpreise abgeschrieben werden, Liquidität wird gebunden oder vernichtet. Die Geschäftsaussichten veranlassen die Kapitalgeber zu veränderten Risikoeinschätzungen und zu übervorsichtiger Kreditvergabe. Die einzelnen Unternehmen spüren eine individuelle Kreditklemme, auch weil sie ihren Finanzierungspartnern keine zuverlässigen Planzahlen vorlegen können.

Dabei sind die Stahl und Metall verarbeitenden Unternehmen in Deutschland international Technologie- und vielfach Marktführer. Sie genießen sowohl bei ihren inländischen Geschäftspartnern aber insbesondere auch weltweit einen exzellenten Ruf hinsichtlich Qualität, Zuverlässigkeit und Innovationskraft. Gleiches gilt für ihre wichtigsten Kunden, die Automobilhersteller und andere High-Tech-Industrien, die am Ende langjährig stabiler und auch krisenerprobter Wertschöpfungsketten stehen. Zurückliegende Rezessionen wurden ebenso gemeistert wie die Stahl- und Rohstoffpreisexplosion der jüngsten Vergangenheit. Es besteht aus heutiger Sicht kein Zweifel, dass diese Industrien (Stahl- und Metallverarbeitung, Automobil, High-Tech) beste Aussichten haben, überproportional an dem mittelfristig erwarteten Wachstum der Weltmärkte zu partizipieren. Daher besteht heute zunächst die besondere Herausforderung, die aktuelle Marktphase möglichst zu überstehen.

Wann die derzeitige konjunkturelle Entwicklung einen Wendepunkt erfahren wird, lässt sich aus heutiger Sicht kaum prognostizieren. Das erste Quartal 2009 wird allein schon aufgrund des starken Vergleichsquartals I/2008 nochmals deutlich negative Wachstumsraten ausweisen. Im Verlauf des Jahres werden die negative Ausschläge allerdings geringer ausfallen, mit einer realistischen Chance, im dritten Quartal eine Annäherung an das Vorjahresniveau zu erreichen. Für das vierte Quartal 2009 sind positive Wachstumsraten durchaus nicht unwahrscheinlich, denn das Vergleichsquartal IV/2008 hatte ein sehr niedriges Niveau. Wenn es gelingt, diese Wachstumssignale mit Zuversicht zu kommunizieren, besteht realistisch die Chance, dass Vertrauen in die Märkte zurückkehrt und wir 2010 auf den Wachstumspfad zurückkehren können.

Wenn die Stahl und Metall verarbeitenden Unternehmen in Deutschland die Krise nutzen können, sollten sie anschließend gerüstet sein, den internationalen Wettbewerb um die neu zu verteilenden Aufträge zu gewinnen. Sie müssen sich in der Krise durch Mitarbeiterqualifikation und optimierte betriebliche Prozesse, Steigerung der Energie- und Rohstoffeffizienz, professionalisierte und engere Kommunikation zu Kunden, Lieferanten und Kapitalgebern stärken. Sie sollten ihr Stammpersonal durch das Instrument der Kurzarbeit so weit wie möglich behalten. Dann werden sie fit für die Herausforderung Wachstum.