WSM-Industrie
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Dezember 2003

Konjunktur:

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung
prägt den Konjunkturverlauf in der stahl- und
metallverarbeitenden Industrie

Düsseldorf, Dezember 2003. Die Konjunktur in der stahl- und metallverarbeitenden Industrie hat im dritten Quartal unter negativen gesamtwirtschaftlichen und politischen Einflüssen gelitten. Nach vorläufigen Berechnungen des WSM Wirtschaftsverbandes ging die Nachfrage nach Erzeugnissen der stahl- und metallverarbeitenden Industrie aus dem Inland im dritten Quartal 2003 preisbereinigt um gut 5% gegenüber dem Vorjahr zurück. Dies ist der stärkste Rückgang der Binnennachfrage seit dem Rezessionsjahr 1993. Damit haben sich die zur Jahresmitte erkennbaren Zeichen für eine Trendumkehr zunächst nicht bestätigt.

Während z.B. in Frankreich vor allem aufgrund höherer Konsumausgaben der Konjunkturmotor im dritten Quartal wieder angesprungen ist, hat das politische Hin und Her um die Steuer- und Sozialreformen zu einer weiteren Verunsicherung in Deutschland vor allem bei den Verbrauchern geführt. Aber auch für die Unternehmen wird es angesichts der andauernden politischen Debatten immer schwieriger, die mittelfristige Entwicklung ihrer Absatzmärkte hinlänglich genau einzuschätzen. Dies ist kein guter Nährboden für ein gesundes Investitionsklima. Eine Folge war im dritten Quartal die Stagnation der Gesamtwirtschaft. Das Produktionsergebnis in der Industrie lag insgesamt sogar unter dem Wert des Vorquartales. Darunter leidet die Nachfrage nach WSM-Produkten, die eng mit einer Vielzahl anderer Industriebranchen verknüpft ist.

Für das gesamte Jahr 2003 zeichnet sich in der WSM-Industrie bei der Binnennachfrage ein realer Rückgang gegenüber 2002 von gut 2% ab. Angesichts der Bedeutung der Binnenkonjunktur für die Gesamtentwicklung der Branche ist dies eine ernstzunehmende Hypothek für den konjunkturellen Aufschwung im kommenden Jahr.

Einziger Lichtblick ist wieder einmal der Export. Die Nachfrage aus dem Ausland nach Erzeugnissen der stahl- und metallverarbeitenden Industrie wuchs gegenüber dem Vorjahr im dritten Quartal 2003 nach vorläufigen Ergebnissen preisbereinigt um 5,5%. Zu überdurchschnittlichen Zuwächsen kam es beim Export nach Westeuropa, insbesondere nach Frankreich und in die Schweiz. Auch das Geschäft mit den osteuropäischen Nachbarstaaten und mit den USA verlief positiv. Das Geschäft mit Kunden im asiatischen Raum entwickelte sich im bisherigen Jahresverlauf dagegen nur mäßig. Anbieter aus China werden trotz der Konjunkturflaute in Deutschland bei einigen Marktsegmenten der stahl- und metallverarbeitenden Industrie auch in diesem Jahr Anteile hinzugewinnen können.

Die Auftragszuwächse beim Export führten im bisherigen Jahresverlauf zu einem Anstieg der Auslandsumsätzen um preisbereinigt 3,4% gegenüber dem korrespondierenden Zeitraum des Vorjahres.  Dem stand ein Rückgang beim Inlandsumsatz von 1,4% gegenüber. Für das Gesamtergebnis der Branche bedeutete dies nahezu Stagnation gegenüber dem Vorjahr.

Die Entwicklungen in den einzelnen Haupt- und Unterbranchen der stahl- und metallverarbeitenden Industrie wichen im statisch erfassten Zeitraum Jan. bis Sept. mehr oder weniger stark von der  durchschnittlichen Gesamtumsatzentwicklung ab.

Zu den Produktsparten, die im Zeitraum Jan. bis Sept. 2003 eine  postive Entwicklung aufwiesen, gehörte der industrielle Dienstleistungssektor ( Oberflächenbehandlung und mechanische Bearbeitung von Blechen) mit einem preisbereinigten Umsatzanstieg  von knapp 6% gegenüber dem Vorjahr. Eine zufrieden stellende Umsatzentwicklung verzeichneten auch die meisten Unternehmen der Massiv- und Blechumformung. Die Branche profitierte vor allem von der fortschreitenden Dieseltechnologie und dem verstärkten Bestreben  der Kunden, Produktionsstufen an sie auszulagern. Das Geschäft mit Schrauben und Federn verlief  im bisherigen Jahresverlauf ebenfalls ordentlich.

Die Hersteller von Freiformschmiedestücken, Flanschen, Rohrformstücken und Ketten kamen dagegen im bisherigen Jahresverlauf auf ein reales Umsatzniveau, das zumeist niedriger war als vor Jahresfrist.

Die Unternehmen der Zieherei- und Kaltwalzindustrie wiederum gehen für 2003 beim Umsatzvolumen von Größenordnungen aus, die denen des Vorjahres in etwa entsprechen.

Als Sorgenkinder entpuppten sich bislang die Herstellerbereiche der stahl- und metallverarbeitenden Industrie, die überwiegend vom Privaten Verbrauch und von der Entwicklung in der Bauwirtschaft abhängig sind. Die hier tätigen Unternehmen benötigen dringend die Wiederbelebung der Binnenkonjunktur in Deutschland andernfalls kann es für die Beschäftigung eng werden. Der Umsatz von Enderzeugnissen ging in der stahl- und metallverarbeitenden Industrie in den ersten neun Monaten dieses Jahres preisbereinigt um 2,7% gegenüber dem Vorjahr zurück.

Unter der Voraussetzung, dass die Produktion in den letzte drei Monaten dieses Jahres nicht weiter absinkt und den Anschluß an die etwas bessere Entwicklung im ersten Halbjahr findet, prognostizieren wir für die stahl- und metallverarbeitende Industrie in diesem Jahr ein Produktionswachstum von etwa 1,5% gegenüber 2002. Wenn diese Prognose sich als zutreffend erweisen sollte, haben wir zum Jahresende einen statistischen Überhang von etwa 1%, der als positiver Effekt in die Prognoserechnung 2004 eingeht.

Trotz des konjunkturellen Rückschlages, den die stahl- und metallverarbeitende Industrie zweifelsohne im dritten Quartal dieses Jahres hinnehmen musste, sind die Unternehmen nicht mutlos geworden. Viele vertreten sogar die Auffassung, dass die Konjunktur bereits im Verlauf des letzten Quartals dieses Jahres wieder Fuß fassen wird. Den Ergebnissen der Reformdebatten messen sie dabei eine ebenso ausschlaggebende Bedeutung bei, wie dem Ausgang der Tarifrunde 2004.

Der Preisdruck, den die Unternehmen der stahl- und metallverarbeitenden Industrie auf vielen Absatzmärkten im In- und Ausland ausgesetzt sind, ist unverändert hoch. Vermeidung von Verschwendung, Rationalisierung und Aufspüren von Wertschöpfungsreserven gehören deshalb schon zum betriebsnotwendigen Alltagsgeschgäft und binden kostenträchtige Ressourcen in beträchtlichem Ausmaß.

Die Branche benötigt deshalb mehr Beschäftigung, damit die Größendegression spürbarer und der Kostendruck erträglicher wird.

Sollte das kommende Jahr  diesen allgemeinen  Konjunkturaufschwung in Deutschland bringen und die Gewerkschaften  gewillt sein, einen Tarifabschluß zuzustimmen, der die Chance für mehr Beschäftigung eröffnet, dann  erwarten wir für unseren Industriezweig einen realen Umsatzanstieg von etwa 3% gegenüber 2003 sowie Neueinstellungen im Verlauf der zweiten Jahreshälfte 2004.

In diesem Jahr wird sich die Zahl der Beschäftigten in der stahl- und metallverarbeitenden Industrie im Jahresdurchschnitt bei etwa 426.000 einpendeln und damit den durchschnittlichen Beschäftigtenstand des Vorjahres wieder erreichen.

 

Ihr Ansprechpartner "Konjunktur":
Heinz Menzenwerth,
Tel.: 0211-4564-150, Fax: 0211-4564-169
E-mail: hmenzenwerthwsm-net.de