WSM-Industrie
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April 2005

WSM-Konjunktur - Rückblick auf 2004 und Ausblick auf 2005

Die Unternehmen der stahl- und metallverarbeitenden Industrie blicken auf ein Jahr voller Herausforderungen zurück. Herausforderungen, die überwiegend auf externe Einflüsse zurückgehen. Heute scheinen die größten Turbulenzen überstanden zu sein, zumindest mehren sich Anzeichen für eine Stabilisierung des Stahlpreises auf dem erreichten, hohen Niveau. Auch die im letzten Jahr schwierige Versorgungssituation hat sich Anfang 2005 bis auf wenige Ausnahmen deutlich entspannt.

Das Produktionsvolumen der WSM-Industrie erreichte im Jahr 2004 ein Wachstum von mehr als 7 Prozent. Dabei stieg die Auslandsnachfrage schneller als die inländische, wodurch der Auslandsanteil weiter zugenommen hat. Der Umsatz der Branche ist im vergangenen Jahr stärker gewachsen als die produzierte Menge, und zwar um über 11 Prozent. Allerdings bleibt die Ertragslage vieler Unternehmen weiterhin sehr schwach. Das zeigt deutlich, dass es den Unternehmen der stahl- und metallverarbeitenden Industrie im Durchschnitt noch nicht gelungen ist, die Kostenerhöhungen auf der Beschaffungsseite vollständig an ihre Kunden weiter zu reichen. Die Preisverhandlungen im Verkauf gestalten sich in Abhängigkeit von Produkten und den bedienten Märkten unterschiedlich schwierig. Aggregiert lässt sich sagen, dass die Kunden umso verhandlungsbereiter sind, je enger das Produkt an den Stahllieferanten angesiedelt ist. Unternehmen auf der ersten Verarbeitungsstufe des Werkstoffes Stahl gelingt es besser, die Notwendigkeit einer Preiserhöhung an ihre Kunden zu kommunizieren und die Erhöhungen auch durchzusetzen, als Unternehmen, die direkt in den Konsum oder an den Handel liefern. Das spiegelt sich auch in der unterschiedlichen Entwicklung der einzelnen Segmente der WSM-Branche wieder. So haben Unternehmen, die dem Bereich der Vormaterialerzeugnisse zuzurechnen sind (zum Beispiel Kaltwalzer, Massivumformer, Blechumformer, Drahtzieher), höhere Wachstumsraten beim Umsatz verzeichnet, als Unternehmen, die Endprodukte produzieren (zum Beispiel Federn oder Schrauben). Entsprechend der Zunahme der Produktion liegt die Kapazitätsauslastung innerhalb der WSM-Branche  überwiegend am oberen Limit, teilweise über 90% der betrieblichen Vollauslastung. Lediglich Unternehmen, die stark von der Baubranche oder dem privaten Inlandskonsum abhängig sind, hatten hier im Jahresverlauf 2004 konjunkturbedingte Schwächen.

Trotz der deutlichen Wachstumsraten von Produktion und Umsatz sowie einer sehr guten Auftragslage der meisten WSM-Branchen verzeichnen viele Unternehmen unbefriedigende Kennzahlen hinsichtlich der Ertragslage. Die Mehrzahl der Unternehmen erwirtschaftete im Jahr 2004 nach vorläufigen Zahlen lediglich ausgeglichene Ergebnisse. Nur wenige Unternehmen der Stahl- und Metallverarbeitung konnten die öffentliche Diskussion um die Entwicklungen auf den Stahlmärkten in eine nachhaltige Verbesserung der eigenen Ertragslage ummünzen. Die Belastungen auf der Einkaufsseite überlagern die mengen- und umsatzmäßig positive Gesamtkonjunktur der Branche. Dabei wirkt sich nicht nur der deutliche Preisanstieg beim Vorprodukt Stahl aus – Warmbreitband als Referenzprodukt hat sich seit Anfang 2004 um 65% verteuert –, sondern auch steigende Belastungen in den Bereichen Energie und Personal. Der Ölpreis hat inzwischen wieder ein Rekordhoch erreicht und die Umsetzung der zweiten Stufe der Steuerreform wirkt sich negativ auf den Strompreis aus, der auch Ende 2004 weiter gestiegen ist. Die Tarifabschlüsse der Metallindustrie bewegen sich vor dem Hintergrund der ohnehin gestiegenen Gesamtkostenbelastung für viele Unternehmen in einem schmerzvollen Maß.

Für einen Ausblick auf die konjunkturellen Erwartungen im Jahr 2005 ist ein Blick auf Prognosen wichtiger Kundenbranchen der Stahl- und Metallverarbeitung geboten. Die Automobilindustrie erwartet nach einem schwachen Start in das Autojahr 2005 im Laufe des Jahres eine Belebung durch neue Modelle und einen steigenden Ersatzbedarf im PKW-Bereich. Im Bereich der Nutzfahrzeuge zeichnet sich ein weiteres deutliches Wachstum ab, das insbesondere von der Nachfrage ausländischer Zielmärkte getragen wird. Der Maschinen- und Anlagenbau rechnet nach dem Rekordjahr 2004 auch im laufenden Jahr mit einem weiteren Wachstum von 3 Prozent. Die Unternehmen der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie rechnen nach 4,3 Prozent im Jahr 2004 mit einem weiteren Umsatzanstieg von 3 Prozent im laufenden Jahr. Allein die Bauindustrie sieht sich weiterhin einer negativen konjunkturellen Entwicklung ausgesetzt und durchlebte 2004 ihr zehntes Krisenjahr in Folge. Die Talsohle wird voraussichtlich auch 2005 noch nicht erreicht werden, so rechnet das Bauhauptgewerbe im laufenden Jahr mit einem weiteren Umsatzrückgang von 3,5 Prozent. Der private Konsum zeigt hingegen positive Tendenzen, sodass auch von dieser Seite Unterstützung für eine weiterhin positive WSM-Konjunktur möglich scheint. Insgesamt kann ein weiteres Wachstum von Umsatz und produzierter Menge im Jahr 2005 erwartet werden, wobei sich die Wachstumsintensität abschwächen dürfte. Überlebenswichtig wird für die Unternehmen allerdings sein, die Umsatzrendite zu verbessern, um die Liquidität zu erhalten, die für innovative Maßnahmen erforderlich ist. Nur so kann es gelingen, weiterhin auch international wettbewerbsfähig zu bleiben und am Markt zu bestehen.

Die Unternehmen der Stahl- und Metallverarbeitung stehen 2005 vor der Herausforderung, einerseits den hohen Auftragsbestand zu bewältigen und gleichzeitig strategische Vorbereitungen für eine mögliche Abkühlung der Konjunktur zu treffen. Die Wirtschaft entwickelt sich zyklisch und so wird auch der aktuellen Wachstumsphase eine ruhigere Periode folgen. Chancen sehen viele Unternehmer der Stahl- und Metallverarbeitung in den Märkten der im vergangenen Jahr neu der EU beigetretenen Ländern sowie weiteren osteuropäischen Gebieten. Hier gilt es heute, mögliche strategische Potenziale zu erkennen und Wettbewerbsvorteile zu sichern.

Ansprechpartner: Holger Ade
Tel.: 0211/4564-150, Fax: 0211/4564-169
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